Eva Gentner

 

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Benjamin Leidenberger für die Schwäbische Post im April 2020:

"Eva Gentner sucht ihre Bezüge zu Karl Heinz Knödler
Die aus Ellwangen stammende Künstlerin arbeitet unterstützt von der Karl Heinz Knödler-Stiftung in dessen Atelier-Räumen im Schloss.

Was tun, wenn eine Pandemie fast das gesamte öffentliche Leben stoppt und kein Museum und keine Kunstausstelllung mehr geöffnet werden kann? „Wir müssen weiter machen. Und ich muss eben die Räume nutzen, die ich zur Verfügung habe“, sagt Eva Gentner. Die 28-jährige gebürtige Ellwangerin ist Künstlerin, lebt in Mannheim und stellte beispielsweise in Baden-Baden, Karlsruhe, Frankfurt und Berlin aus. Nun führt sie die Karl Heinz Knödler-Stiftung zurück in ihre Geburtsstadt. „Annette Zeller und Kathrin Heinritz vom Stiftungskuratorium hatten angefragt, ob ich in den Atelier-Räumen im Schloss ausstellen würde – auch um auf seine Arbeit wieder aufmerksam zu machen. Und nachdem eine normale Ausstellung im Moment nun nicht geht, wurden die bereits zugesagten Material- und Reisekosten in ein Honorar umgewandelt, das es mir ermöglicht, zwei mal zwei Wochen hier zu arbeiten“, schildert Gentner, wie aus der Not ein neuer kreativer Ansatz werden soll. Denn die bildende Künstlerin, deren Rauminstallationen oft nur für die Dauer der jeweiligen Ausstellung oder einer Performance überleben, sucht nun einen Weg, über digitale Kanäle ihr Schaffen in Bezug zu Knödlers Werk zu setzen. Weit mehr als Tausend seiner Bilder hat die Stiftung im Schloss archiviert, in den Regalen finden sich alte Werkzeuge und Arbeitsmaterialien des vor 20 Jahren verstorbenen Künstlers. „Ich lasse mich beim Stöbern durch sein Atelier und seine vielen Bilder inspirieren. Ich drehe zudem eine Dokumentation über meine Arbeit hier, in der auch der Künstler vorgestellt wird. Schließlich finden sich seine Arbeiten überall in Ellwangen“, schildert Eva Gentner. Ende Mai wird sie für einen zweiten Aufenthalt wieder kommen, um die Ausstellung – ob im digitalen oder realen Raum – dann zu finalisieren. „Auf diese Weise können wir auch Frau Gentner in dieser schwierigen Zeit unterstützen“, sagt Annette Zeller, die Vorsitzende des Kuratoriums. „Es war auch Heinz Knödler immer ein Anliegen, junge Künstler zu fördern.“ Was dieser jüngeren Generation – Eva Gentner war erst 8, als Knödler starb – nun mit ihrem „eigenen Blickwinkel“ auf Knödlers Schaffen einfällt, das weckt auch bei Zeller Neugier und sorgt für Spannung. „Wir lassen es auf uns zukommen. Diese Freiheit soll sie haben.“ Für Gentner ist die Beschäftigung mit Knödler auch eine Reise in ihre Kindheit: Schließlich hatte ihre Mutter zur Geburt ihrer Tochter einen gerahmten Linoldruck von Knödler geschenkt bekommen, der folglich in Eva Gentners Kinderzimmer hing. Auch im elterlichen Wohnzimmer hätten seine Bilder sie schon immer begleitet. „Die Räume meiner Kindheit sind Knödler-Räume. Ob in Gasthäusern, im Wellenbad oder den Brunnen im öffentlichen Raum: Er ist überall präsent, jeder kennt seine Werke“, sagt Gentner über den Künstler, der in der Region sesshaft war und von den Atelier-Räumen im Schloss durch sein Schaffen praktisch Bezüge in die ganze Stadt gehabt habe. „Mein Arbeiten ist das totale Gegenteil“, vergleicht die 28-Jährige, die oft in sogenannten „Residences“, stipendienhaft finanzierten Arbeitsaufenthalten außerhalb ihres Wohnorts, wochen- oder monateweise projektbezogen fast nomadisch umherzieht. „Ich will etwas aussagen über künstlerisches Arbeiten, über Freiheit.“ Die habe sie in Knödlers Faible für Vögel wieder entdeckt. Eulen, Tauben und eine zahme Dohle habe Knödler sich im Turm gehalten, erstaunlich oft habe sie auch Vogel-Motive in seinen Bildern gefunden. Damit, beispielsweise mit digitalisierten DIA-Aufnahmen zweier Eulen, will Gentner nun spielen, um ihre eigene Referenz zu finden. „Auch wenn man sich das heute fast nicht mehr vorstellen kann, als Künstler an einem Ort zu bleiben und von Kunst am Bau und Verkäufen zu leben, so sehe ich bei dieser Arbeit – in so einem Erbe zu stehen - aber auch wieder, wie wichtig es ist, dieses Vermächtnis aufzubewahren.“ Gentner will zeigen, wie das Neubeschäftigen der „Jungen“ mit dem Werk der „Alten“ diesen in digitalen Welten neue Verbreitung bieten könnte."