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Short BIO / Artist statement
(english / deutsch)

Eva Gentner was born in Ellwangen (Jagst) and studied from 2012 onwards fine arts at the State Academy of Fine Arts Karlsruhe with Prof. Helmut Dorner. She lives and works in Mannheim. During her studies she received the EHF-2010-scholarship of the Konrad-Adenauer-Stiftung and together with Adrian Nagel the Award of Fine Arts of the foundation Rainer Wild. After her studies she received the Scholarship for Visual Arts of the Kunststiftung Baden-Württemberg (2018), a studio scholarship of the city of Mannheim (2018) and a scholarship at the Cité internationale des Arts Paris (2019), as well as the scholarship Neustart-Kultur from Kunstfonds Bonn (2020).
Her artistic practice ranges from painting to sculpture, video, literature, new music and contemporary dance. The interdisciplinary works combine the examination of ephemerality, alteration and poetry. But the in-depth investigation of materiality also plays a central role. She always conceives her exhibitions situatively and conceptually; her works are usually temporary, site-specific and subtly political.
Eva Gentner has been working as an artist duo with the composer and music theorist Adrian Nagel since 2016 and with the choreographer and dancer Miriam Rose Gronwald in a permanent collaboration since 2018. In 2020 she had two large solo exhibitions in the Rudolf-Scharpf-Galerie of the Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen („ocean“, 9/5–8/23/2020) and in the Kunstverein Rosenheim („desert“, 1/18–02/23/20). In the context of group exhibitions, she has exhibited in London, Thessaloniki, Puglia and San Diego, among others, as well as in the Kunsthalle Baden-Baden, the Akademie der Künste Berlin, the Museum Goch, the Kunsthalle Mannheim and in various galleries and offspaces.

Eva Gentner wurde in Ellwangen (Jagst) geboren und studierte bis 2017 Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Prof. Helmut Dorner. Sie lebt und arbeitet in Mannheim. Noch während ihres Studiums erhielt sie das EHF-2010-Stipendium der Konrad-Adenauer-Stiftung und den Preis für Bildende Kunst der Stiftung Rainer Wild. Nach ihrem Studium erhielt sie das Stipendium für Bildende Kunst der Kunststiftung Baden-Württemberg (2018), ein Atelierstipendium der Stadt Mannheim (2018), ein Stipendium an der Cité internationale des arts Paris (2019) sowie das Neustart-Kultur-Stipendium des Kunstfonds Bonn (2020). Ihre künstlerische Praxis reicht von Malerei über Skulptur, Video, Literatur, neue Musik und zeitgenössischen Tanz.
Ihre interdisziplinären Arbeiten verbinden die Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit, Veränderung und Poesie. Aber auch die vertiefte Untersuchung von Materialität spielt eine zentrale Rolle. Sie konzipiert ihre Ausstellungen situativ und konzeptionell; ihre Arbeiten sind meist temporär, ortsspezifisch und subtil politisch.
Eva Gentner arbeitet seit einigen Jahren als Künstlerduo mit dem Komponisten und Musiktheoretiker Adrian Nagel und seit 2018 mit der Choreografin und Tänzerin Miriam Rose Gronwald in einer festen Zusammenarbeit. Im Jahr 2020 hatte sie zwei Einzelausstellungen in der Rudolf-Scharpf-Galerie des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen und im Kunstverein Rosenheim.

Essay from Philipp Ziegler: "Eva Gentners nomadische Kunst"
in "Eva Gentner: Moby Dick", published 2020 by Kettler Verlag
(in deutsch)

Das Meer ist für Gilles Deleuze und Félix Guattari vielleicht der bedeutendste der glatten Räume. Mit dem Begriffspaar des glatten und gekerbten Raums beschreiben die beiden französischen Poststrukturalisten in ihrem Hauptwerk Tausend Plateaus das Wechselverhältnis zwischen dem unstrukturierten Raum des Nomaden und dem markierten Raum des Sesshaften. Der gekerbte Raum wird von den beiden Autoren als metrisch vermessen und begrenzt charakterisiert, er ist der Raum der Stadt oder des Staats, der durch eine hierarchische Ordnung geprägt ist und in dem Ereignisse geplant und vorhersehbar sind. Im Gegensatz dazu steht der glatte Raum der Wüsten, Steppen, Eisflächen und Meere, der von Naturgewalten wie Wind und Wellen geformt wird, sich der Messbarkeit durch den Menschen entzieht und durch Variabilität und Fluidizität ausgezeichnet ist. Während man sich das rhizomatische Gebilde eines glatten Raums wie Filz oder Patchwork als eine heterogene Struktur vorstellen kann, weisen gekerbte Räume die homogene Struktur eines durch das Fadensystem von Kette und Schuss gleichmäßig geformten Gewebes auf. Die beiden Raumformen des Glatten und des Gekerbten sind jedoch nicht separiert voneinander zu denken, sie existieren nur aufgrund ihrer hybriden Beziehungen, komplexen Überlagerungen und gegenseitigen Vermischungen. Glatte Räume und von diesen insbesondere das Meer haben unaufhörlich die Tendenz, in gekerbte Räume übertragen zu werden, die sich dabei in einer gegenläufigen Bewegung jedoch auch gleichzeitig ständig in glatte Räume zurückverwandeln.
Eva Gentners Arbeiten können als eine Auseinandersetzung mit den in Tausend Plateaus propagierten Begriffen der Vielfalt, der Heterogenität und des Nomadischen verstanden werden. Wie Jurten, die traditionellen Behausungen der Nomaden in den Steppen Zentralasiens oder schwimmende Bojen im Meer, passen sich ihre in jüngster Zeit entstandenen Skulpturen aus hölzernen Scherengittern und tropfenförmig gebogenen Holzleisten flexibel an die Bedingungen des sie umgebenden Raums an. Als Punktsetzungen liefern sie Orientierung in einem sich ständig verändernden, fluiden Raum, in dem nichts fixiert, sondern alles stets fragil und nur von temporärer Dauer ist. Der Nomade »geht von einem Punkt zu anderen«, so Deleuze und Guattari. Aber im Gegensatz zum Sesshaften sind die Punkte, auf die sich die Nomaden zubewegen, ihren Wegen untergeordnet. »Die Wasserstelle ist nur da, um wieder verlassen zu werden«. Da die Vegetation in der Wüste vergänglich ist, sind auch die Wege der Nomaden zwangsläufig variabel und den Veränderungen der Natur angepasst. Freies Land und Stadt, Festland und Meer stehen sich in dieser Konzeption antithetisch gegenüber. Als ein »Affekt-Raum« ist der glatte Raum »eher eine haptische, als eine optische Wahrnehmung«. Ein zentraler Aspekt der Arbeiten von Eva Gentner, die an der Kunstakademie in Karlsruhe bei Helmut Dorner Malerei studiert hat, sind ihre materialästhetischen Eigenschaften. Themen wie das Haptische und das Textile, das Verletzliche und das Fragile, das Experimentelle, das Flüchtige und Vergängliche, die mit den Werken verbunden sind, nehmen vielfältig Bezug auf die Schriften von Deleuze und Guattari. Die Scheu der in Mannheim lebenden Künstlerin vor festen, fixierten Strukturen, die in allen ihren Arbeiten zum Ausdruck kommt, führt dazu, dass von Eva Gentner kaum bleibende Werke geschaffen werden. »Ich fühle mich wohl, wenn nichts fest ist, wenn alles im Fluss ist.«, sagt sie und vergleicht ihre Arbeiten mit der zeitbasierten Kunstform der Musik, bei der das Eigentliche nur im Hier und Jetzt ihrer Aufführung stattfindet und nichts Bleibendes zurückbleibt. Ihre nur wenige Millimeter dünnen Wandbehänge aus auf Jute gegossenem Zement, die mit ihren minimalistischen grauen, durch den Gussvorgang mit feinen Falten und Rissen durchzogenen Oberflächen an Haut oder natürliche Gesteinsformationen erinnern, schmiegen sich in situ den Wänden des Ausstellungsraums an und falten sich so zu einem zerbrechlichen Relief, das bei jedem Brechen eine Staubspur hinterlässt. In performativen Arbeiten reagieren Tänzer mit der Berührung ihrer Haut auf die steifen Oberflächen von Eva Gentners Betontextilien und Zementkimonos, die durch die Bewegungen an besonders beanspruchten Stellen brechen, dadurch zunehmend weicher werden und am Ende der Performance zerbröselt am Boden liegen bleiben. Der funktionale und prozesshafte Charakter der Arbeiten, der durch ihre Benutz- und Berührbarkeit während der Performances sichtbar wird, lässt einen an die Konzepte von Franz Erhard Walther denken, der mit seinen Werksatz genannten Arbeiten seit Anfang der 1960er-Jahre Skulptur als Handlungsform definiert und sie damit als einer der ersten auf die direkte Interaktion mit dem Publikum gelenkt hat.
Der Ausgangspunkt von Eva Gentners Ausstellungen desert und ocean im Kunstverein Rosenheim und in der Rudolf-Scharpf-Galerie des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen ist die Vorstellung von Ozeanen und Wüsten als topische Räume, die sich aufgrund ihrer Lebensfeindlichkeit den Einkerbungen des Menschen widersetzen. Ozeane und Wüsten stehen hier im Sinne von Deleuze und Guattari als Leerstellen für etwas, das der Mensch mit seinen Sinnen nicht fassen und nur unvollständig wahrnehmen kann. Wie im Fall eines von Eva Gentner auf YouTube gefundenen Videos, das zwei Menschen im Nebel in einem Schlauchboot auf dem Meer zeigt, unter dem sich schemenhaft die Umrisse riesiger Buckelwale abzeichnen, die als Schatten durch das Wasser huschen. Oder in den Aufnahmen, die von Gentner in der Lieberoser Wüste in der brandenburgischen Niederlausitz gemacht wurden, auf denen zwei Performerinnen im Wind mit ihren überdimensionierten Bojen hantieren. In ihren Texten verknüpft die Künstlerin diese Verweise auf das archaische Verhältnis des Menschen zur Natur mit Bezügen auf Herman Melvilles Abenteuerroman Moby-Dick von 1851. Die darin beschriebene Jagd auf den Weißen Wal ist ein Zusammentreffen von glattem und gekerbtem Raum: die Fahrt der Pequod steht zum einen für einen Einkerbungsvorgang des Meeres, Captain Ahabs monomanische Besessenheit zugleich auch für die Flucht aus dem kontrollierten Raum der menschlichen Zivilisation. Im Roman endet die Jagd mit Ahabs Tod und dem Untergang des Walfangschiffs. Angesichts der heutigen Vermischung von menschlichem Handeln, Natur und Technologie und der Unmöglichkeit, die eine Seite zu verstehen, ohne die andere zu berücksichtigen, kann die Geschichte von Moby Dick nicht mehr als Gegensatz Mensch versus Natur, können glatte und gekerbte Räume nicht als binäre Dichotomie verstanden werden. Im Zeitalter des Anthropozäns, des Artensterbens und der Klimakrise ist aus dem Bedrohlichen der Natur längst ein Bedrohtes der Natur geworden. Als ehemaliger Truppenübungsplatz ist die Lieberoser Wüste, der Schauplatz von Eva Gentners Video, genauso auf die Einwirkung des Menschen zurück zu führen wie unsere Vorstellung des Meeres mehr durch YouTube und das Internet geprägt ist als durch eigenes Erleben. In der Sichtbarmachung dieser komplizierten Gemengelage reagieren Eva Gentners Arbeiten so angesichts der heutigen Krisen auf ein verbreitetes Gefühl, sich nicht mehr verorten zu können und nicht zu wissen, wo wir auf unserem Planeten »landen« sollen.

YouTube: Artist portrait about Eva Gentner by Kunststiftung Baden-Württemberg
(in deutsch)
Concept / Camera: Johannes Nobis, Jakob Guntermann, Alexander Birzele Visit https://youtu.be/TvZckL0Xu1M

Guest on the podcast "Die Leichtigkeit der Kunst" with Claudia Linzel in Spring 2021
(in deutsch)
Eva Gentner talks about her scholarship stay in Paris at Cité internationale des arts and her latest works "Implementation of Geocentrism". Visit www.dieleichtigkeitderkunst.de

KubaParis via Instagram Live-Chat: Yvonne Scheja in an interview with Eva Gentner
(in deutsch)
Live-Interview on the occasion of her exhibition "ocean" at the Rudolf-Scharpf-Galerie Ludwigshafen in May 2020:
Watch on YouTube https://youtu.be/jJGkWoGtty4

SWR2 radio report about the exhibition "ocean"
(in deutsch)
Report by Martina Conrad on the occasion of the exhibition "ocean" in the Rudolf-Scharpf-Galerie Ludwigshafen:

Documentation of Akademie der Künste Berlin about the Projekt "Labor Beethoven 2020" with Adrian Nagel
(in english)
For four years, a group of young composers met again and again for intensive work phases with workshops, discussions, concerts, exhibitions and rehearsals. The project "Labor Beethoven" offered time and space for the free development of ideas and concepts - stimulated by current questions about space, instrumentation and form. The result is a unique corpus of world premiere compositions and sound installations in which the participating composers from Basel, Tel Aviv and Thessaloniki pursued their individual research interests under the direction of Caspar Johannes Walter, Dimitri Papageorgiou and Ruben Seroussi.
Visit https://youtu.be/1YBawme4iH0

Interview with Adrian Nagel and Eva Gentner about their soundinstallation "III (wooden boxes)"
(in deutsch)
The sound installation was shown in Spring 2020 at Akademie der Künste Berlin in the exhibition "Labor Beethoven 2020".
Watch on YouTube https://youtu.be/3gFRFYxN8m8

René Zechlin interviews Eva Gentner about her exhibition "ocean" at Rudolf-Scharpf-Galerie
(in deutsch)
Visit https://youtu.be/IYPCGSPXf7U

Making-Of the exhibition "ocean" at Rudolf-Scharpf-Galerie
(in deutsch)
Visit https://youtu.be/6PcjXQ8KAYM

Documentary EINRAUMHAUS C/O ARTIST RESIDENCY 2017
(in deutsch)
Myriam Holme interviews Eva Gentner:
Visit https://youtu.be/bsjB4wKQXoM

Documentary about the AMAMI OSHIMA PROJECT 2017 In spring 2017, Eva Gentner traveled to the kimono workshops on the small Japanese island of Amami Oshima, a barely visited archipelago in the South China Sea. Here she worked in the local workshops of silk dyers and kimono weavers and documented her work in a video.
Zum Video
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Integration of Augmented Reality in exhibition mediation
About the exhibition: "Silent Spring" at the Karl Heinz Knoedler Foundation, Ellwangen
. Visitors to the exhibition were invited to point the camera of their smartphones at selected pictures in the exhibition by using an AR app. Animated films were then superimposed on the display, some of them enriched with audio contributions, which also offered a kind of "audio guide" to the exhibition.
Documentation videos:


Zur "postcard edition wanderings", 2018:
The stamp edition "postcard edition wanderings" is sent home to exhibition visitors in a performative way. When the recipient holds the camera of his or her smartphone over the motif of the stamp with the help of an AR app, the two birds depicted on the stamp "fly out of the picture". Example view:

How a cement kimono is made, Studio view in 2016 Watch on Vimeo